Freitag, 12. Februar 2010

"Germany's next Topmodel" oder das Schlimmste, was Frauen seit der Erfindung des Korsetts passiert ist.

Als ich mich - aus dem einzigen Grund, aus dem ich mich dem öffentlichen Fernsehprogramm noch aussetze, nämlich, um mir die Simpsons anzusehen - vor wenigen Tagen durch meine eigene Faulheit (siehe unten) wieder einmal gezwungen sah, verblödete Werbeinhalte über mich ergehen zu lassen, musste ich etwas erfahren, dass für mich persönlich schlimmer als die Androhung körperlicher Gewalt ist;

"Am vierten März wird Deutschland wieder schöner! Germany's next Topmodel by Heidi Klum!"

Ich erlaube mir an dieser Stelle einmal großzügig, von meinem reservierten Tonfall abzuweichen.

BLÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖRGHKOTZSPUCK!

Nun gehört das Bashen von Casting-sendungen in allerlei (pseudo-)intelligenten Kreisen ja mittlerweile zum guten Ton. Da wird von niveaulos und entwürdigend gesprochen, von öffentlicher Schadenfreude und Voyeurismus.
Was natürlich von DSDS über Popstars bis zu GNTM auch in verschiedenem Maße zutrifft.
Zumal ich absolut nicht nachvollziehen kann, wie eine Jury aus selbsternannten Experten - allesamt durchaus mittelmäßige, talentlose, egomanische, aufmerksamkeitssüchtige Hirnlose, deren einzige wirklich herausragende Eigenschaft darin besteht, ihre Blödheit medienwirksam vermarkten zu können - sich das Recht herausnehmen kann, in aller Öffentlichkeit andere Menschen zu entwürdigen und zu beleidigen.
Was hat ein Dieter Bohlen, ein, seien wir ehrlich, nicht übermäßig begabter Musiker, der sich dennoch gern als Poptitan bezeichnet und uns nur zu gern in aller Öffentlichkeit von den Abenteuern seines primären Geschlechtsorgans (und dessen neuesten Beutetieren) und seiner Beziehungsunfähigkeit berichtet, für ein Recht, zugegebenermaßen naive Bewerber mit menschenverachtenden Sprüchen zu überhäufen?
Logisch betrachtet keines.
Und dennoch applaudiert ihm das Publikum bei jeder Staffel und jeder miesen Bemerkung aufs Neue, liegt ihm zu Füßen, wenn er ein Opfer nach dem anderen öffentlich abfertigt und blamiert, und zelebriert lachend und klatschend in ihrer unbegrenzten Schadenfreude und ihrem erschreckenden Voyeurismus den Untergang der Menschenwürde in den deutschen Medien.
Denn - hey, wenn man auch selbst sein Leben als totalen Fehlschlag bezeichnen muss, bekommt man hier in aller Öffentlichkeit den Beweis, dass es trotzdem noch schlimmere Versager, noch peinlichere Freaks und noch größere Idioten gibt.
Puh, Glück gehabt.
Zumal periodisch immer mal wieder Gerüchte laut werden, dass die tatsächlichen Begebenheiten bei den Castings durch geschickte Schnitttechnik etwas anders dargestellt werden, als sie wirklich waren. Oder dass manche der besonders peinlichen "Bewerber" erst durch humanitäre Spenden des Senders davon überzeugt wurden, der Welt ihre fehlenden Talente und ambitionierten Ziele zur Schau zu stellen.

So interessant diese Fragen und Gerüchte generell auch sind, so geht es mir hier, vor allem bezüglich der neuen Staffel GNTM, doch um etwas Anderes.
Denn auch wenn diese menschenverachtende Scheiße genannt Casting, das Pendant zur mittelalterlichen Freakshow, mehr als ausreichen würde, um mich auf die Palme zu bringen, so ist es vor allem in Bezug auf Heidi Klums periodisch wiederkehrende Wahl des am wenigsten hässlichen Gerippes Deutschlands etwas Anderes, das mich zum Kopfschütteln bringt.
Und zwar die Ideale, die durch diese Sendung einem gewaltigen Publikum im Allgemeinen und einer riesigen weiblichen Zielgruppe im Speziellen eingetrichtert werden.
Denn die wenigen Male, die ich wirklich minutenweise diese Castings mit angesehen habe (meist zwangsweise, wenn eine meiner Schwestern sich das zu Gemüte geführt hat), wurde mir vor allem eines klar:
Hier wird nicht nach Schönheit gesucht, und schon gar nicht nach Ausstrahlung. Weiblichkeit ist nicht erwünscht, realistische Anforderungen sind absolut nicht vorhanden.
Nein, hier ist man auf der Suche nach Gesichtern, die möglichst hohen Profit versprechen, nach Individuen, die sich möglichst effektiv in ein vielfältiges gewinnversprechendes Produkt verwandeln lassen.
Der Mensch als Ware in einer Industrie, die Ästhetik propagiert.
Anders kann ich mir nicht erklären, dass die meiner Meinung nach schönsten Frauen den ersten Castings zum Opfer fielen.
Hier wird ein Ideal verherrlicht, dass seit Jahren immer bedenklichere Formen erreicht: Schön heißt mager, schön heißt, die Rippen sehen zu können, schön heißt, den Körper eines unterernährten zehnjährigen Jungen zu haben. Ein Kilo drauf auf den Idealwert und du bist nicht mehr schön, du bist nichts mehr wert, du bist keine Modelware mehr.
Diese Einstellung ist in den letzten Jahren nicht nur in dieser Branche ein Problem geworden, sie greift genau durch solche Serien auch in der weiblichen Bevölkerung um sich, und führt oft genug zu wirklichen Problemen, wenn Frauen absolut realitätsfernen Zielen nacheifern, die meiner Meinung nach absolut nichts mehr mit Schönheit zu tun haben.
Denn, ganz ehrlich, wenn ich eine Frau mit dem Körper eines zehnjährigen Jungen wollen würde, dann würde ich schlicht und einfach einen zehnjährigen Jungen ficken.

Naja...natürlich würde ich das nicht.
Wahrscheinlich.
Ich weiß es nicht wirklich, denn ich will ja gar keine Frau, die den Körper eines zehnjährigen Jungen hat.
Die Frage, die ich mir stelle, ist eigentlich, warum diese Gesellschaft so scharf darauf ist, ihren weiblichen Bevölkerungsteil kaputtzumachen.

Abgesehen davon bereitet mir der Gedanke an diese Serie aber vor allem wegen einer anderen Einstellung Kopfschmerzen, die von den Juroren ganz gezielt gefördert wird, und das ist das absolute Konkurrenzdenken.
Denn der Weg zur Spitze ist hart, und natürlich muss man ohne die geringste Spur von Mitleid jeden aus dem Weg räumen, der einem dabei auch nur ansatzweise gefährlich werden könnte. Fairplay oder Respekt vor dem Gegenüber sind nur Hürden, die man sich dabei selbst in den Weg stellt, die Mitbewerberinnen sollen keine Freundinnen sein, sie sind keine Menschen, sie sind Konkurrentinnen, sie sind Probleme, die man überwinden muss.
Denn das ist freier Wettbewerb.
Ich erinnere mich, das Thomas Wieczorek in seinem Buch "Die verblödete Republik" hier einen expliziten Sachverhalt anspricht, der sich in der Serie ereignet hat - man verzeihe mir an dieser Stelle, dass ich ihn nur grob wiedergeben kann;

Es verhielt sich wohl im Prinzip so, dass eine Kandidatin während der Sendung zugunsten einer anderen auf einen Fototermin verzichtete, weil sie der Meinung war, dass jene andere Bewerberin diese Chance mehr verdient hatte.
Normale Menschen würden dies nun - zumindest hoffe ich das - als Fairplay, als eine großzügige Geste anerkennen, die Respekt verdient hat.
Doch Frau Klum schiebt jenen Gedanken einen Riegel vor, indem sie besagter Kandidatin dieses Verhalten als Schwäche vorwirft, sie zusammenscheißt und ihr mitteilt, dass man so natürlich kein Topmodel wird.
Wieczorek benutzt dafür meiner Meinung nach sehr treffend den Term "Homo oeconomicus" für eine Gattung Mensch, zu der wir, wenn es nach der Wirtschaft und nach diesen Sendungen geht, am besten alle gemacht werden sollen.
Eine Gattung Mensch, die keinen Platz mehr hat für Mitgefühl oder Mitleid, keine Zeit für soziale Gedanken irgendeiner Art, eine Gattung Mensch, die alles tut, was von ihr verlangt wird, um weiter nach oben zu kommen, die sich verbiegt und verstellt, nur um die Anforderungen zu erfüllen, die an sie gestellt werden, und die nur an ihren eigenen Erfolg denkt.
Und das wird dann als Persönlichkeit bezeichnet.
Ich bezeichne das als pervers.

Immer wieder wird beklagt, dass dieses Land, diese Gesellschaft in erschreckendem Maße sozial kälter wird, und gleichzeitig verbuchen Sendungen, die jeden sozialen Gedanken prinzipiell verneinen und bestrafen, die es regelrecht belohnen, wenn die Kandidaten unsozial denken und handeln, Rekordeinschaltquoten.
Dem Publikum wird eingetrichtert, dass Erfolg nur durch rücksichtsloses Konkurrenzdenken erreicht werden kann, und als Beweis generieren Casting-sendungen ganze Heerscharen von C-Promis, für die sich kein noch so blödes Schwein interessiert, die aber als ganz große Stars propagiert werden und sich auch für solche halten.

Denn wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht, richtig?
Und scheiß auf die, die zu schwach sind oder Rücksicht auf andere nehmen, scheiß auf die Idioten, die auf der Strecke bleiben, scheiß auf die dämlichen Arschlöcher, die als Nebenprodukt einer erfolgs- und karrieregeilen Gesellschaft enden - die haben's nämlich gar nicht anders verdient.

Das zwingt mich nun im Endeffekt doch, eine Gegenthese zu formulieren.
Denn ich persönlich sage, scheißt auf Erfolg, auf Karriere und Geld, scheißt auf Statussymbole und den Luxuswahn, scheißt auf Castingshows und die verfickte Promi-obsession, scheißt auf Ideale, die euch alles nehmen, was euch erst zu Menschen und Individuen macht.

Und wisst ihr was?
Das ist ganz einfach.
Ihr müsst nämlich nur nicht zuhören.

Ihr müsst nur einen kleinen Knopf drücken und den Fernseher ausschalten.

Freitag, 5. Februar 2010

Werbung.

Ich muss etwas gestehen.
Etwas Ungeheuerliches. Etwas, das jedes bewusstseinsfähige Lebewesen umhauen wird.

Ich sehe mir Werbung an.
Freiwillig.
Wirklich.
Wie es dazu kam, ist eine Geschichte voller kaputter Fernbedienungen und fauler Edens, die jedoch an dieser Stelle nur als Prolog für etwas viel Interessanters dienen soll und von daher ihren Zweck mit der Erwähnung an dieser Stelle bereits erfüllt hat.
Anfangs bin ich tatsächlich noch bei jeder Werbung aufgestanden und habe per Hand umgeschaltet, weil ich diesen Schwachsinn wie die meisten halbwegs intelligenten Menschen schon nicht mehr ertragen kann. Allerdings bin ich eben einfach von Natur aus faul, und irgendwann habe ich dann eben, hauptsächlich um die Zeit totzuschlagen, angefangen, mich mal auf Werbeinhalte einzulassen und sie zu bewerten.

Traurigerweise konnte ich dadurch keine signifikanten Verbesserungen hinsichtlich des Unterhaltungswertes feststellen. Vielmehr müsste man eigentlich, wenn man darüber nachdenkt, die Welt den ganzen Tag fröhlich lachend mit einem appetitlichen Strahl Kotze eindecken.
Feuer mit Feuer bekämpfen.
Aber man kann ja in seinem ganzen verdammten Leben gar nicht so viel fressen, wie man in diesem Moment kotzen will.
Anders ausgedrückt: Für wie blöd halten uns eigentlich die verantwortlichen Unternehmen und Werbeagenturen inzwischen? Oder haben sie mit ihrer Beurteilung sogar recht (was den von Natur aus fröhlichen Eden dann doch sehr, sehr traurig machen würde)?
Da erzählen uns wildfremde Menschen ohne jedes schauspielerische Talent, die vermutlich nach der letzten Gerichtsshow so dankbar waren, überhaupt nochmal Arbeit zu bekommen, dass sie den Job für eine Flasche Wodka angenommen haben, wie toll doch ein bestimmer Augenoptiker ist.
"Ich sag' das nicht nur so, das ist wirklich so! Achja, hey, Mama, ich bin im Fernsehen!"
Schön ist auch, wenn unter diesen Laiendarstellern dann ein Mensch ist, der in der grausamen Realität allzuschnell zur Randgruppe der gar nicht coolen Streber und Nerds abgeschoben werden würde, und mir erzählt, wie hübsch doch die weiblichen Angestellten bei besagtem Augenoptiker sind.
Unterschwellige Botschaft: "Freaks, Versager und Streber versammelt euch, sogar IHR könnt eine abkriegen. Ihr braucht nur ne Brille von uns (solange SIE keine hat...)!"
Thema Partnervermittlung durch die Wirtschaft - da denkt man dann natürlich sofort an Axe.
Wo selbst der hässlichste, abgefuckteste Freak plötzlich zur Beute von sabbernden, kreischenden Frauen mit Traummaßen wird, bei denen jeder höhere Denkprozess unterbrochen wird, wenn man sich nur irgendeine Scheiße unter die Achseln sprüht, die so kraftstrotzende Namen wie "Dark Temptation" oder "Hot Fever" hat. Aber Scheiße bleibt nun mal Scheiße und riecht auch immer wie Scheiße, auch wenn ich "Nahrung 2.0" dazu sage.
Die grausame Wahrheit ist, auch wenn euer Deo cool ist und einen kraftstrotzenden Namen hat, ihr bleibt hässlich, ihr bleibt abgefuckt und vor allem bleibt ihr Freaks.
Es gibt kein tolles paradiesisches Produkt, dass auf einen Schlag plötzlich all eure kleinen Versagerprobleme löst und euch zu intelligenten, erfolgreichen, vermögenden Frauenhelden macht.
Das will man nämlich auch gar nicht.
Denn wenn die Käuferschicht mit dem zufrieden wäre, was sie hat, würde sie sich ja zwangsläufig fragen, warum sie die ganze sinnlose Scheiße überhaupt brauchen sollte, die ihr da angepriesen wird.
Nein, nein, ihr seid Versager, vergesst das bloß nicht! Weil ihr kein Axe benutzt. Und weil ihr keine Brille von Fielmann tragt. Auch wenn ihr vielleicht perfekte Augen habt, ihr seid einfach scheiße!
Kauft Zeug von uns! Kauft nur weiter den Mist, den ihr eigentlich gar nicht braucht, in der Hoffnung, eure dämlichen, eingebildeten kleinen Probleme zu lösen, die ihr gar nicht hättet, wen ihr sie euch nicht einreden lassen würdet - das ist der Weg zu wahrer Glückseligkeit!

Das widerlichste Beispiel und vorläufiger Höhepunkt medialer Massenverblödung ist für mich allerdings diese unsägliche Media Markt-werbung mit jenem Menschen namens Mario Barth, den ich nach diesen Auftritten einfach nur noch als humoristischen Schwerverbrecher bezeichnen kann.
Nicht nur dass sein gehirnzellenvernichtender Pauschalklischeehumor jeder Informationsgrundlage entbehrt, - zwei Typen spielen mit Milchaufschäumern rum! Das ist ein unwiderlegbares Argument dafür, dass Media Markt jedem Konkurrenzunternehmen überlegen ist! - er scheitert auch grandios daran, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Zumindest nehme ich persönlich das als Indiz für mangelnde Qualität, wenn ich den Auftritt eines "Comedians" eher als hinterhältige Foltermethode empfinde.
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht pauschalisieren. Vielleicht gibt es Leute, die finden das witzig.
Kann sein.
Wie es ja auch irgendwo Leute gibt, die der letzten Massenhysterie namens "Schweinegrippe" gefolgt sind.
Ich frage mich nur immer - wo sind die? Denn genau wie ich bei der Schweinegrippe in meinem Umfeld niemanden finden konnte, der nicht in Gelächter ausbrach, als man ihn fragte, ob er sich impfen lassen wolle, kenne ich niemanden, der bei dieser Werbung nicht das Gesicht vor seelischen Schmerzen verzieht.
Also bitte, wo seid ihr? Wo versteckt ihr euch? Meldet euch endlich mal, ich will's doch nur verstehen!

Der entsetzliche Höhe- und zugleich Schlusspunkt des Gehirnzellenmassenmordes tritt übrigens dann ein, wenn der werte Herr Barth uns auch gleich noch die persönliche Rechtfertigung für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachschiebt, indem er ins Mikrofon brüllt:
"Dit habta euch vadient!"

Ich will ja nicht stellvertretend für andere sprechen, aber ich erinnere mich nicht, irgendetwas derart Verwerfliches getan zu haben, dass ich SO ETWAS verdient hätte.
Vielleicht als juristisches Strafmaß für Schwerstverbrecher.
Aber wir sind ja nicht alle Schwerstverbrecher.
Und Folter und Todesstrafe haben wir ja immerhin inzwischen auch abgeschafft.
Also warum?

Dienstag, 26. Januar 2010

Schlagzeilen: Eden wieder da! Neuer hoffnungsloser Versuch

Okay, ich bin wirklich ein faules Arschloch.
Ich will gar nicht versuchen, den exorbitanten Zeitraum, der seit dem letzten Eintrag vergangen ist, zu entschuldigen. Nicht, weil ich das nicht könnte. (Natürlich könnte ich das, ich kann ja sowieso alles.) Vielmehr, weil es wahrscheinlich ohnehin keinen interessiert, da dieser Blog nie wirklich eine feste Lesergemeinschaft hatte.
Womit wir natürlich wieder bei den exorbitanten Zeiträumen sind, die zwischen den Einträgen vergehen.
So kann das auch nicht funktionieren, Eden.
Irgendwo bin ich hier zwischen dem Bestreben, halbwegs sinnvolle, interessante und anspruchsvolle Einträge gestalten, um es nicht zur puren Selbstdarstellung à la "Was habe ich heute zu Mittag gegessen?" verkommen zu lassen, und meiner eigenen Faulheit gescheitert.
Warum das dann diesmal anders sein sollte?
Keine Ahnung, wirklich. Wahrscheinlich ist das ähnlich wie eine der vielen Entschuldigungen und Versprechungen von Süchtigen an Bekannte, dass sie sich bessern werden.
Jedenfalls sitze ich grade hier, höre Beethovens neunte Sinfonie und drücke mir eine Packung tiefgekühltes Fertiggerichtspantschmischgemüse in meinen Nacken, der sich... nun, nicht angenehm anfühlt. Wie allgemein viele Stellen meines Körpers momentan.
Edens Freundin fand es nämlich heute angebracht, ihr Auto und ein Straßenschild vollkommen zu zerlegen. Das findet Eden prinzipiell nicht gut, weil er Straßenschilder, Autos und ja, sogar seine Freundin (!) eigentlich mag, aber noch weniger gefällt es ihm, wenn er währenddessen daneben sitzt.
Naja, wie sich das in einer heterosexuellen Beziehung nach der alten Rollenverteilung eben so gehört, habe natürlich ich als Mann die Auswirkungen des Unfalls sehr viel deutlicher zu spüren bekommen, während sie bis auf ein paar Schrammen unverletzt ist. Und das soll sich dann Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern nennen.
Aber egal, es hätte ja auch anders laufen können. Sehr anders sogar. Wäre das Schild einen halben Meter weiter links gestanden, hättet ihr doch tatsächlich euren heißgeliebten und verehrten Eden verloren! Und das zwei Tage vor dem Release von Mass Effect 2! Die Realität kann tragischer und dramatischer sein als jeder Schnulzenroman.
Keine Ahnung, was das jetzt damit zu tun hat, warum ich hier wieder mal schreibe.
Vielleicht, weil mir langweilig ist.
Vielleicht auch, weil mich verdammt nochmal jemand bemitleiden soll.
Los!

Um den Eintrag also letztendlich zusammenzufassen:
Re.



...übrigens hatte ich heute Steaks zum Mittagessen. Sie waren gut.

Dienstag, 24. März 2009

Die Ästhetik des Schreibens

Ich. fühle. mich. fabelhaft.

Nicht, weil meine absurde Selbstfindungsaktion endlich Früchte trägt - obwohl sie voran schreitet - oder die abklingenden Depressionen wie durch ein Wunder ein Ende gefunden haben.
Aber mit "Die Krone der Evolution", zu finden im letzten Eintrag, ist endlich etwas passiert, das längst überfällig war - ich kann wieder schreiben. Die geistige Blockade ist endlich weg, es kommen wieder Ideen, Geistesblitze, die Sätze formulieren sich wie von selbst. Wie früher.
Und es sind nicht nur die Ideen, die wieder kommen.
Es macht mir wieder Spaß, zu schreiben. Während dem Verlauf der Depression verwandelte sich das vom Hobby immer mehr zur Arbeit - und ich bin nun mal ein faules Schwein. Irgendwann habe ich nur noch geschrieben, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen, die endlich wieder etwas zum Lesen von mir haben wollten.
Aber auch das ist jetzt anders. Ich habe endlich wieder Spaß an der Aktivität an sich. Das Beschreiben, das Formulieren, das Ausschmücken, die stilistischen Mittel, alles kommt wieder zurück.
Ich bin wieder da.
Und ich habe nicht vor, das so schnell wieder zu ändern.

Mittwoch, 18. März 2009

Die Krone der Evolution

So.
Das hat lange gedauert.
Ich wollte das zwar an einem einzelnen Wochenende durchziehen, aber zum einen wurde ich durch eine Vielzahl anderer Dinge davon abgehalten, und zum anderen gestaltet die ganze Sache sich weitaus schwieriger, als ich angenommen hatte. Mit Logik und Sachverstand komme ich gegen dieses Chaos sehr viel schlechter an als erwartet.
Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sich das mit der Zeit zu legen scheint und es mir insgesamt besser geht.

Nunja, die ganze Sache wird trotzdem durchgezogen. Aber vorerst, als Einschub, eine kleine KG, die ich vor wenigen Tagen spontan geschrieben habe. Nichts Weltbewegendes, aber zumindest kommt die Lust am Schreiben nach der ganzen Sache langsam wieder zurück.

Bitte.

- -

Die Krone der Evolution

Sind Sie schon einmal abends auf dem Nachhauseweg stehen geblieben, um einen Betrunkenen zu beobachten, der sich auf dem Boden wimmernd in seinem eigenen Erbrochenen windet, während zwei andere nicht minder Betrunkene lachend um ihn herumtorkeln und an dem Versuch scheitern, ihm wieder auf die Beine zu helfen?

Haben Sie sich schon einmal die Zeit genommen, zu zählen, wie viele Menschen in teuren Anzügen und mit gekaufter Liebe im Arm wortlos an Bettlern vorbeigehen, die flehend ein Foto ihrer Familie hochhalten?

Haben Sie schon einmal beobachtet, wie gleichgültig ihre Mitmenschen auf Nachrichten über Selbstmordanschläge mit mehreren Toten und Schwerverletzten reagieren und sich dann dem sinnentleerten Abendprogramm zuwenden?

Sind Sie schon einmal schweigend in der Nähe gestanden, als Mitmenschen jemand anderen verbal und mitunter sogar körperlich drangsaliert haben?

Haben Sie schon einmal einen Bericht im Fernsehen gesehen, über einen Jugendlichen, der seine Mutter krankenhausreif geschlagen hat?

Sind Sie schon einmal im Internet auf eine Seite gestoßen, in der reale Vergewaltigungsszenen, von Überwachungsvideos oder Mittätern gefilmt, als Pornographie vertrieben werden?

Haben Sie schon einmal zugesehen, wie der Fahrer eines Schneeräumers über die Bordsteinkante gelenkt hat, um eine über die Straße rennende Katze noch zu erwischen?

Haben Sie schon einmal mit angehört, wie sich jemand über die Schäden an seinem Auto aufgeregt hat, während das Tier, das er überfahren hat, keine zehn Meter entfernt lag?

Waren Sie schon einmal anwesend, als erwachsene Menschen sich an Bildern von zerfetzten Menschen aufgegeilt haben?

Haben Sie schon einmal in einer Fernsehdokumentation mit angesehen, wie ein lebender Hund an den Hinterbeinen die Straße hinuntergezerrt und in eine Müllpresse geworfen wurde, weil er unerwünscht war?

Haben sie schon einmal ein Video gesehen, in dem einem amerikanischen Soldaten von Extremisten der Kopf mit einem Küchenmesser sorgfältig langsam abgeschnitten wird?

Haben Sie aufgepasst, wie lange er geschrien hat?

Haben Sie bemerkt, wie gleichgültig seine Mörder darauf reagiert haben?

Haben Sie sich schon einmal den zweifelhaften Spaß erlaubt, die Kriege zu zählen, die aus bloßer Gier um Macht geführt wurden, gleichgültig wie viele Menschen dabei zugrunde gehen?

Haben Sie schon einmal Bilder gesehen, in denen nackte Leichen zu meterhohen Haufen vor den Häusern gestapelt worden sind?


Und haben Sie bemerkt, wie wir uns selbst nennen?


Die Krone der Evolution.


Donnerstag, 19. Februar 2009

Wir schaffen uns einen neuen Eden - Schritt 1: Vergessen, Schritt 2: Analysieren

Ich denke, wir sind uns einig, dass ich ein verlogenes Arschloch bin und die Sache hier ziemlich habe schleifen lassen.
Gut, allein diese Feststellung ist momentan schon Einiges wert.

Denn jetzt kommt etwas, das als Selbststudie und hoffentlich für einige wenige, die vielleicht wirklich mal hier lesen, interessant werden könnte.

Die Ausgangssituation ist Folgende: Ich habe Depressionen. Schon seit langer Zeit, was ich auch mal ganz nebenbei als Vorwand benutzen könnte, dass ich in vielem, was ich mir vorgenommen habe, sehr inaktiv geworden bin. Und wir alle kennen ja den tollen Spruch, dass alles erst immer schlimmer wird, bevor es besser wird.
Es ist schlimmer geworden.
Und jetzt wird es wieder besser.
Viel weiter will ich hier jetzt auch nicht darauf eingehen.

Zumindest bin ich jedoch wieder aus dem Loch des totalen Zusammenbruchs heraus und fähig, auf einer menschenmöglichst objektiven Ebene über mich selbst zu reflektieren - eine Fähigkeit, die mir in den schlimmeren Zeiten der Depression komplett verloren gegangen ist. Wenn ich dramatisch wäre, könnte ich sagen, ich stehe vor den Trümmern meines eigenen Selbst.
Aber ich bin nicht dramatisch.
Deshalb formuliere ich hier einfach eine Tatsache als Ausgangslage, die mir heute klar geworden ist und mich ziemlich getroffen hat:
Ich habe große Schwierigkeiten, mir selbst die Frage zu beantworten, wer ich bin und was meine Ziele sind. Ich saß die letzten eineinhalb Stunden in meinem dunkler werdenden Zimmer, habe darüber nachgedacht, und ich bin absolut unfähig, mir diese Frage zu beantworten. In meinem Kopf herrscht eine ziemliche Gedankenflut mit derartigen Konflikten, dass ich mich wie innerlich zerrissen fühle und gar nicht mehr weiß, wie ich mich mir selbst und anderen gegenüber verhalten soll. Vieles davon ist zu persönlich, als dass ich es hier schreiben würde, aber ich nehme mal ein simples Beispiel:

Position 1: Ich hasse die Menschheit und die Gesellschaft, die mir beide als globale Plage erscheinen.
Position 2: Ich werde wohl als Mensch nie umhin kommen, einzelne andere Menschen sympathisch zu finden. Das ergibt sich eben.

Daraus resultieren Fragen. Fragen wie "Wie soll ich mich anderen gegenüber verhalten? Gibt es für mich persönlich einen Kompromiss, den ich akzeptieren kann? Muss ich mich nicht im Grunde selbst hassen und mögen, weil ich ein einzelner Mensch und doch Teil der gesamten Gesellschaft bin?"
Interessante Fragen, die ich momentan aus dem Stegreif nicht beantworten kann.

Deshalb habe ich mir selbst vorgenommen, mich in den Ferien intensiv darum zu kümmern, diese Fragen und viele mehr zu beantworten, während andere Menschen kostümiert und dämlich grinsend durch die Straßen rennen und sich zulaufen lassen. Ich werde aufschreiben, welche Positionen sich in meinem Kopf gegenüberstehen, ich werde meine Ziele aufschreiben, ich werde mich selbst gewissermaßen analysieren und so versuchen, endlich wieder ein halbwegs intaktes "Ich" zusammenzuschustern, das mir durch die Depression irgendwie abhanden gekommen zu sein scheint.

Nehmt es als eine Art "Selbstfindung", wenn man so einen abgetakelten Begriff verwenden will. Und ich denke, ich werde nicht in der Lage sein, all diese Gedanken wirklich wieder zu ordnen und meinen Kopf frei zu bekommen, wenn ich sie nicht schriftlich festhalte.

Das hier wird mehr ein Logbuch mit Zwischenberichten, wie's gerade läuft. Vieles, das zu persönlich ist, wird niemals hier erscheinen. Warum ich es trotzdem hier als Beitrag reinsetzte? Zum einen, weil ich mir gerade eben damit selbst klar gemacht habe, wie ich vorgehe und was mein Ziel bei der Sache ist.
Zum anderen bin ich eine Attention Whore.

Wir fangen an mit den ersten beiden Schritten, die ich über das Wochenende und vielleicht darüber hinaus betreiben werde:

Schritt 1: Vergessen - Vergessen, wer ich vorher war, Vorurteile, altes Gedankengut, an dem ich festgehalten habe und das mir überholt scheint...einfach vergessen und mich darauf konzentrieren, was jetzt ist.

Schritt 2: Analysieren - Mich selbst erkennen, die Gedanken aufschreiben, die sich in meinem Kopf scheinbar unvereinbar gegenüberstehen, erst einmal in der Form einer bloßen Bestandsaufnahme, alles Weitere kommt später.

So viel dazu, mehr in den folgenden Tagen.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Re.

Was habe ich vor etwas mehr als einem Jahr gesagt?

In Zukunft erwarten euch also hier Einträge strotzend vor Intelligenz, Action, Humor und Sex - und dem ganzen anderen Schwachsinn, den ich im alten Blog angekündigt und nie durchgeführt habe. Aber ich kann mich ändern.
Versprochen.

Ich bin wirklich ein verlogenes Arschloch.
Aber ich gelobe Besserung. In nächster Zeit steppt hier wieder der Bär.
Versprochen.