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Freitag, 19. März 2010

Der moderne Mastbetrieb: Fast Food und Dauerbeschallung

Ich esse ja allgemein sehr gerne an Plätzen, die ziemlich öffentlich sind.
Ich esse auch gerne zuhause, aber da ich unter der Woche in der Regel ständig irgendwie unterwegs bin, ist das meist nur an Samstagen und Sonntagen der Fall.

Der Grund ist ja auch nicht, dass mir das Zeug bei McDonalds, Burger King, Kantinen oder irgendwelchen Wirtshäusern besser schmeckt als das, was mir zuhause vorgesetzt wird.
Und billiger ist es schon mal gleich gar nicht, das ist vollkommen klar.
Aber ich mag es einfach, während ich auf mein Essen warte oder nachdem ich es gierig wie ein Schwein verschlungen habe, meine Umgebung ein bisschen zu beobachten.
Besonders natürlich die Menschen darin.

Dabei bekommt man vieles mit, von einzelnen Gegebenheiten, Absurditäten und Demonstrationen inhumaner Dummheit über ritualisierte Gewohnheiten, wenn man gewisse Personen immer wieder zur selben Zeit am selben Futtertrog vorfindet, bis hin zu Spiegelbildern ganzer Schicksale.

Es gibt da nämlich zum Beispiel eine alte Frau - ich bin nicht gut darin, das Alter von Menschen abzuschätzen, aber ich vermute, sie ist etwa achtzig, so um den Dreh - die man jeden einzelnen Tag der Woche, vom Moment der Öffnung an bis in den späten Nachmittag hinein in einer Filiale von McDonalds im Stadtzentrum sitzen sieht.
Manchmal einfach nur mit abwesendem Blick vor sich hin starrend, manchmal Zeitung lesend, je nach Tageszeit vielleicht mit einem Pappbecher Kaffee, einem anderen Getränk oder einem fein säuberlich zusammengefalteten Packpapier eines Cheeseburgers vor sich auf dem Tisch. Manchmal beobachtet sie auch nachdenklich einige andere Gäste - dann frage ich mich, ob sie am Ende dieselbe Gewohnheit hat wie ich - und manchmal bewegt sie sich so lange einfach überhaupt nicht, dass ich mich unwillkürlich ab und zu frage, ob sie nicht tot ist.
Aber immer ist sie allein.
Natürlich ist es jetzt auch nicht unbedingt sehr fundiert, aus solchen Beobachtungen Vermutungen über das Schicksal einer Person anzustellen, aber ich sehe darin oft das traurige Schicksal nicht weniger alter Menschen reflektiert, die in zunehmender sozialer Isolation und gefühlter Nutzlosigkeit apathisch ihrem Ende entgegenleben.
Von Tag zu Tag.
Dann tut mir diese Frau oft wirklich leid.
Aber wie der Rest der anderen Gäste fresse ich eben meistens doch nur schnell meinen Müll, sitze dann vielleicht noch ein paar Minuten herum und gehe wieder. Wenn nicht, spiele ich zwar tatsächlich ab und zu mit dem Gedanken, sie einfach mal unvermittelt anzusprechen, aber - zugegebenermaßen, ich bin eben wirklich nicht gut darin, auf fremde Menschen zuzugehen und Konversationen zu starten.
Zumal meine Kompetenzen im Smalltalk-bereich, mit dem die Allermeisten so etwas einleiten, tatsächlich erbärmlich sind. Was daran liegen mag, dass mich der übliche Smalltalk auch einen Scheißdreck interessiert.
Liegt vermutlich einfach daran, dass ich im Normalfall eher in meiner eigenen kleinen Welt herumirre und mich durch das gewaltige Chaos in meinem Kopf wühle, statt mich auf soziale Interaktion zu konzentrieren.
Sogar auf Parties. Wo ich meistens der klischeehafte schweigsame Typ bin, der rauchend vor einem Glas Whiskey an der Bar steht und vor sich hinstarrt.
Weshalb ich "normale" Parties, also Massenbesäufnisse, bei denen die Hemmschwelle für jede Art gesellschaftlicher Reglementierung unter dem Erdboden versinkt und es am Ende irgendwann nur noch um sinnlosen Smalltalk zwischen läufigen Freizeitnutten und denkenden Schwänzen auf Beinen geht, der möglichst zum Ficken führen soll, im Regelfall inzwischen auch sehr erfolgreich meide.
Manchmal zieht das Klischee des schweigsamen rauchenden Typs mit dem Whiskeyglas zwar auch einige Menschen an, ob Männlein oder Weiblein, die dieses Klischee faszinierend finden mögen, ich weiß es nicht. Aber ich selbst mache wirklich fast nie aktiv den Versuch, auf andere Menschen zuzugehen.

Aber egal. Ich schweife ab.
Die alte Frau ist jedenfalls eines der interessanteren - und vielleicht euch etwas melancholisch stimmenden - Beispiele, was ich da so beobachte. Wie gesagt, sehr viel häufiger sind alltägliche Absurditäten, Lächerlichkeiten und offen zur Schau gestellte Dummheit.

Oder Ereignisse, die irgendwie alles miteinander kombinieren.
Wie vor Kurzem geschehen, als ich gegen Mittag an einer anderen Filiale des Restaurants zum goldenen M vorübergefahren bin und mir dachte, ich könnte da ja kurz mal Essen fassen.
Wie in vielen anderen Restaurants dieses Franchises war auch dieses in den letzten Jahren scheinbar stark modernisiert worden, um ihm irgendwie eine moderne Ästhetik zu verleihen.
Falls es so was gibt.
Das ging von verspiegelten Wand- und Deckenflächen über einen in Glas eingefassten Kamin mit einem elektrischen Feuer bis hin zu zahlreichen Flachbildschirmen, die in einem endlosen Stakkato Musikvideos, Promi-news und natürlich Werbung auf die Kundschaft abfeuerten.
Andere Sachen wie echte Nachrichten wären ja auch ungünstig, wie die Verantwortlichen sehr richtig realisiert haben. Das interessiert die Leute eben einfach lange nicht so sehr wie dieser Schwachsinn.
Und so wird der Untergang der Esskultur, der soziale Faktor des Mittagessens, das Familienideal eines gemeinsamen Mahls, durch elektronische Geräte ersetzt, die dir alles über die Leute erzählen, die du wahrscheinlich nie im Leben treffen wirst.
Aber, wie schon mal an anderer Stelle erwähnt... das ist man ja inzwischen alles gewohnt.
Der ganz normale Schwachsinn, sozusagen.

Nach kurzer Zeit saß ich dann also auf meiner Kunstlederbank vor meinem Kuntsstofftisch mit dem Kunststofftablet und dem Kunststoffessen darauf.
Und wie ich das eben gerne tue, beobachtete ich nebenbei, was so um mich herum geschah.
Dabei konnte selbst ich irgendwann nicht mehr verhindern, dass meine Aufmerksamkeit sich zeitweise den Bildschirmen zuwandte.
Zumal sie einfach ÜBERALL waren, verfluchte Scheiße.
Und da erfuhr ich dann so nützliche Sachen, wie das im lokalen Kino bald ein Film laufen würde, der tatsächlich "LOL" heißt, dass es in Hollywood rumorte, Nicole Richie würde bald heiraten... und natürlich dass man nicht mal mehr beim Fressen von Werbung verschont wird.

Wieder mal blieb mir da Germany's next Topmodel als herausragendes Negativbeispiel in Erinnerung.
Wir stellen uns folgende Szenerie vor:
Eine modisch gekleidete Frau mit Topfigur, professionell geschminkt und wahrscheinlich zudem digital überarbeitet, sitzt auf einer Bank in einem friedlichen Park und fummelt an ihrem Nintendo DS herum, wobei man ihr ansieht, dass sie fünf Minuten vor Drehbeginn nicht wusste, dass es so etwas überhaupt gibt.

Was sie spielt? "America's Next Topmodel", erhältlich für Wii und DS.

Und wie auf Kommando bricht plötzlich Chaos um sie herum aus. Journalisten, Kameramänner und Fotografen stürmen von allen Seiten ins Bild und umringen sie, Blitzlichtgewitter, Stimmengewirr, das Knipsen von Fotoapparaten. Sie sitzt da mit einem überraschten Gesichtsausdruck, den ich mit zwei Promille noch besser spielen könnte und fängt nach kurzer Zeit an, sich in Pose zu werfen, räkelt sich auf der Bank und spielt ihre Rolle an dieser Stelle zum ersten Mal wirklich überzeugend.
Es folgt der Übergang, das Spiel wird gezeigt und irgendeine verschlafene Praktikantin liest einen Text ab, an den ich mich nicht mehr erinnere, der aber wohl auf "Werde zum Topmodel blahblub sei ein Star wargh!" hinausläuft.

Tja, da sitzt man dann, und vergisst fast, dass man eigentlich zum Essen hier ist.
Man wendet den Blick ab und beobachtet seine Umgebung, vornehmlich bevölkert von Menschen, über die genau die Leute, die diese Werbung erdacht haben, wohl die Nase rümpfen würden; Ungepflegte Unterschichtler, Handwerker mit Schweißgeruch der nicht mehr im ignorierfähigen Rahmen liegt, Menschen, die Klamotten anhaben, die aussehen, als wären sie von der Altkleidersammlung aus Afrika zurücktgeschickt worden.
Und alle tapsen sie durch den modernen Mastbetrieb, sitzen zufrieden grunzend um ihre Plastikfuttertröge herum und stopfen das billige Fressen in sich hinein, dass ihnen vorgeworfen wird, während der Bauer ihnen mit einem Megafon von einer Empore aus zuschreit, immer weiter zu fressen und sich vollzustopfen, weil sie nur schön sind, wenn sie so fett werden, dass sie aus allen Nähten platzen. "Fressen und schlafen, das ist euer Idealzustand, euer Paradies, und wir geben euch alles was ihr braucht in unserem grenzenlosen Altruismus!"
Und im Hinterraum wetzt der Schlächter schon seine Messer.

Nicht weit von mir, ein paar Tische weiter, zwei Weibchen der Gattung Homo sapiens, denen man auf den ersten Blick an ihrer hautengen, glitzernden und blinkenden, pelzigen Bekleidung und dem bröckelnden Putz auf ihren Gesichtern ansieht, dass sie die Beine schon breit machen würden, wenn man mit einem frisch gewaschenen, tiefergelegten Fiat Cinquecento vorführe.
Warum frisch gewaschen?
Weil er dann so krass glänzt.

Jedenfalls erkannte man sofort an dem glasigen Blick, mit dem eine von ihnen den Bildschirm fixierte, während die andere sich genüsslich und auf nicht gerade appetitliche Weise Nahrung zuführte, dass das System funktionierte.
Als sie dann auch noch mit einem Stupser, den ich persönlich als Kinnhaken definieren würde, die Aufmerksamkeit ihrer Freundin forderte, dem Bildschirm zunickte und wohl so etwas sagte wie "Schau mal, geil ey!", musste ich einen Moment überlegen, ob ich jetzt weinen, aufstehen und die ganze Einrichtung zerlegen oder lachen sollte.

Ich entschied mich zu lachen.

Einfach, weil's am angenehmsten ist.

Und man auf lange Sicht nicht überleben wird, wenn man sich für eine der anderen Alternativen entscheidet. So berechtigt sie auch erscheinen mögen.

Und man kann ja zum Beispiel auch darüber lachen - oder sich zumindest, gemein wie man ist, schadenfroh darüber freuen - dass die neue Staffel GNTM Berichten zufolge äußerst schlechte Quoten einfährt.
Vielleicht ist man sogar so optimistisch, zu hoffen, dass dies das Ende dieses Formats bedeuten könnte.

Womit man sich aber am Ende selbst belügen würde.

Denn der nächste Schwachsinn kommt bestimmt.

Samstag, 13. März 2010

Nockherberg 2010

Als kleine Unterbrechung des schnöden Text-marathons zwei Videos vom Starkbierfest am Nockherberg 2010, einer bayrischen Veranstaltung, bei der Politgrößen einiges an Satire über sich ergehen lassen müssen - und dabei nichts anderes tun können, als hemmungslos falsch und gekünstelt zu lachen, um den schönen Schein zu wahren.

Helmut Schleich richtet als verstorbener Franz Josef Strauß über seine Nachfolger.
... und das Ende des von ihm angekündigten Singspiels "Bavaria sucht den Superpolitiker".

Nach der Wiederholung der Live-übertragung des Starkbierfests am Nockherberg im bayrischen Rundfunk gab es übrigens einige totgeschwiegene Kritik daran, dass Stellen, die der Politik nicht gefallen haben, gestrichen wurden. Natürlich nur, um die Sendung auf eine angebrachte Länge zu reduzieren, die in das Programm des Senders passt.
Die Pointe eines Witzes, über den ich schon lange nicht mehr lachen kann.

Wer jetzt übrigens den Gedanken, dass es sich hier gerade um eine Verzögerungstaktik handelt, um irgendwelchen Inhalt ohne besonders viel eigene Arbeit anzubieten, nicht verdrängen kann... der hat damit durchaus recht. Ich habe derzeit etwas wenig Zeit, aber ich hoffe, den nächsten Eintrag noch dieses Wochenende fertig stellen zu können.

Donnerstag, 4. März 2010

Im Lande der Dichter und Denker...

... da wird nicht mehr gedichtet und vor allem nicht mehr gedacht.

Nein, das soll jetzt keine Abhandlung über den erschreckend massiven deutschen Braindrain, die massenhafte Auswanderung unserer Akademiker vor zu Tode gesparter Wissenschaft und Forschung in andere Nationen werden, die mit wesentlich besseren Konditionen locken und uns Handküsse dafür zuwerfen, dass wir einen Großteil ihrer zukünftigen Bildungselite zum Nulltarif ausbilden.
Obwohl das ja auch ein wunderschönes Thema ist.
Erinnert mich jemand daran, mich darüber nochmal irgendwann hier aufzuregen?

Aber nein, vielmehr will ich diesmal von einem Ereignis berichten, dass mich, wie das ja sehr oft so ist, wenn ich mir die Welt um mich herum mal wieder etwas genauer ansehe, doch etwas traurig gestimmt hat. Und außerdem die ultimative wirtschaftliche Wahrheit bestätigt, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt.
Was mich in diesem Fall gleich noch trauriger macht.
Nun, ich vermute, nicht allzu viele Leser hier wissen, dass ich mich derzeit mit einem bezahlten Praktikum in einer Buchhandlung vor zu viel Freizeit und Gelegenheit zum Nachdenken bewahre.
Ja, jetzt wisst ihr's.
Jedenfalls begab es sich also vergangenen Freitag, als ich am Feierabend gemütlich vom Laden zu meinem Auto flanierte, dass ich an der Buchhandlung Pustet vorüber kam, in der ich früher immer gekauft habe. Ich muss an dieser Stelle gestehen, auch bei mir hat in den letzten Jahren das Browsen auf amazon das Stöbern im Laden größtenteils ersetzt - ich hatte das Geschäft also seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr betreten.
Wie dem auch sei, ich hatte Feierabend, das Wochenende stand vor der Tür und auf mich wartete nur ein kaputter Computer und eine neoamazonische Rasurfaschistin, daher beschloss ich, mir mal ganz lockerflockig anzusehen, was "die Konkurrenz" so zu bieten hat.
Ich betrat also zielstrebig das für eine Buchhandlung doch sehr große Geschäft und brachte erstmal mit eiligen Schritten die gefühlten zwei Dutzend Regale hinter mich, die unter der Last unzähliger Exemplare Twilight, Harry Potter, der "Biografie" "von" "Bushido" und was weiß ich was sonst noch fast zusammenbrachen. Bis ich den hinteren Bereich erreichte, in dem sich schon deutlich weniger Lebewesen tummelten.
Diejenigen also, die nach Büchern suchten, die nicht mit Postern, Plakaten und menschengroßen roten Papppfeilen für die ganz Blinden angepriesen wurden oder die noch bereit waren, zwanzig Schritte zu gehen, und das Angebot nach dem Werk ihrer Wahl zu durchforsten.
Wie gesagt - deutlich weniger eben.
Da war ich nun also und arbeitete mich langsam, Schritt für Schritt, durch die beschrifteten Sektionen, um mir mal einen Überblick zu verschaffen.

Da hätten wir die beachtlich umfangreiche Abteilung "Kochbücher" mit mehreren wunderschön gestalteten Rezeptauflistern für HartzIV-empfänger, die kulinarische Köstlichkeiten zum Niedrigstpreis anpriesen und dem Leser zum Beispiel empfahlen, in seiner beträchtlichen Freizeit doch einfach mal auf dem Rasen vor der Plattenbauwohnung nach Kräutern zu suchen. Denn wir wissen ja alle, diese Schweine faulenzen sowieso den ganzen Tag auf ihren Luxusyachten, schlürfen teuren Champagner und genießen in "spätrömischer Dekadenz" ihren "anstrengungslosen Wohlstand".
Nur zu fressen können sie sich bei so viel Luxus dann eben nichts mehr leisten. Höchste Zeit also für professionelle Kochbücher.
Demnächst dann übrigens der Nachfolger, Stalingrad-version: Was man aus verwesten Tierkadavern noch alles rausholen kann und wie man welches Körperteil am Menschen am besten zubereiten sollte!
Aber davor müssen wir den Sozialstaat noch ein bisschen abbauen.
Keine Sorge - wir arbeiten schon daran.

Dann wären da noch die Mangas, mit beeindruckender fachlicher Kompetenz einfach kommentarlos in der "Comic"-sektion untergebracht, womit unsere kulturelle Ignoranz wieder einmal absurde Blüten treibt.
Love Hina praktisch direkt neben Asterix und Tim und Struppi?
Oh je.

Außerdem die ausufernde Sektion "Ratgeber/Lebenshilfe", wo einem absolut Unbekannte ohne ersichtliche Bescheinigung ihrer Kompetenz Crashkurse zum Thema "möglichst schnell Glück/Zufriedenheit/Karriere/Geld" anbieten.
Ich frage mich nur, warum es dann heutzutage so viele Arbeitslose und Depressive gibt - Tendenz steigend - wo das Angebot doch so breitgefächert ist.
Oh ja, natürlich, Entschuldigung - weil man dafür zwanzig Schritte gehen müsste.
Aber hey - zumindest dürften die Autoren glücklich und zufrieden sein. Und Geld bekommen sie wohl auch genug!

Die Sektion "Humor" übergehe ich jetzt mal genau so schnell, wie ich daran vorbeigegangen bin, als ich Mario Barths Fratze auf dem Langenscheidt-knieschuss "Frau - Deutsch/Deutsch - Frau" gesehen habe. Übrigens gibt es auch schon "Frau - Deutsch/Deutsch - Frau 2", "Mann - Deutsch, Deutsch - Mann", "Sex - Deutsch, Deutsch - Sex", "Anwalt - Deutsch, Deutsch - Anwalt" und demnächst "Tisch - Deutsch, Deutsch - Tisch".

Über die Sektion "Klassik" schweige ich mich ebenfalls aus.
Gezwungenermaßen.
Wenn's die gibt, hab' ich sie nämlich nicht gefunden.

Aber da! Was ist das! Was sehen meine tränengefüllten Augen! Eine "Philosophie"-sektion! Tatsächlich! Es gibt noch Hoffnung!
Da standen sie also vor mir, die großen Werke jener deutschen und internationalen Denker, die Bücher, die einem bei der Lektüre eine ganz neue Sicht auf sich selbst und die Welt offenbarten, wenn man sich nur auf sie einließ.
"Die Kommunion - Mein Erinnerungsalbum"
Hm?
"Wege zum Glück"
Was zum...?
"Das alte und neue Testament für Kinder"
Bitte?!

Ich dachte einen Moment lang, da hätte jemand was falsch einsortiert. Kann ja durchaus passieren, wenn man auch Love Hina neben Asterix und Tim und Struppi stellt.
Aber nein, es wirkte vielmehr als hätte die Sektion links daneben - "Religion" - eine massive Offensive gestartet und den Philosophiebereich mit jeden Widerstand brechender, unterdrückerischer, hirnloser Gewalt erobert.
Und je länger ich nach Titeln suchte, die man wirklich als philosophische Werke bezeichnen konnte, ohne rot zu werden, desto grausamer wurden die Entdeckungen, die ich machte.
Natürlich gibt ein Eden nicht so schnell auf. Als sich in den Bereichen auf Augen-, Brust-, Magen- und Kniehöhe nichts finden ließ, ging ich trotz meiner berühmt-berüchtigten Faulheit tatsächlich in die Hocke, um mir die unterste Reihe durchzusehen.
IN DIE HOCKE!
SO VERZWEIFELT WAR ICH!

Und ich sollte belohnt werden. Was meine Stimmung nicht zwangsläufig hob.
Da standen sie, ganz unten ganz rechts, gerade noch so reingequetscht, wie es schien.
Fünf kleine Büchlein.
Nietzsches "Also sprach Zarathustra", "Die fröhliche Wissenschaft", und - Entscheidet euch schon mal, ob ihr lachen, weinen oder kotzen wollt. Habt ihr's? Gut, dann weiter. - "Der Antichrist".
Neben Kinderbibeln und Kommunionsalben, die den Geist unserer wehrlosesten Gesellschaftsmitglieder mit platten, billigen Gleichnissen und pseudotiefgründigen Phrasen vergewaltigen sollen.
Wir halten in dieser Zeile einmal kurz inne und stellen uns alle zusammen vor, wie Friedrich Nietzsche in eben diesem Moment in seinem Grab rotiert wie eine CD im Laufwerk.
Das andere war ein kleines... ich sage mal, Prospekt "Schopenhauer für Anfänger". Zwei Mal.
Das war es.
Fünf "Bücher". Drei von Nietzsche und zwei über Schopenhauer.
Philosophie heute.

Kant? Vergiss es.
Hegel? In deinen Träumen.
Kierkegaard? Ist das was zum Essen?
Hobbes? Sartre? Rousseau?
PLATON?!
Nein.

Das war der Moment, an dem ich aufstand und ging. Und zusah, dass ich möglichst schnell zu meinem Auto komme.
Damit mich niemand beim Weinen sieht.

Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch.
Wenn hier jemand gerne Twilight liest, sei es ihm gegönnt (solange derjenige bei Robert Pattinsons Anblick nicht die Kontrolle über höhere Denkfunktionen, sein Kreischorgan und seine Blasenfunktion einbüßt - dann jedoch müsst ihr euch gefallen lassen, von mir als herausragende Vollidioten bezeichnet zu werden.), Harry Potter mag ich selbst, so simpel gestrickt es in jeder Beziehung auch sein mag, es hat immerhin dazu beigetragen, viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene zum Lesen zu bringen, auch solche, die vorher beim Anblick von gedruckten Worten die Flucht ergriffen hätten, und wer der Meinung ist, die Biografie von Bushido, geschrieben von einem Menschen, der bestimmt von Bushido ordentlich bezahlt worden ist, sei irgendwie interessant - bitte.
Aber muss es nicht wenigstens auch für Leute wie - und ich benutze dieses Wort jetzt mal pauschal, ganz auf eigene Gefahr - "uns" ein Angebot geben, dass unsere Nachfrage befriedigt? Oder sind wir so wenige? So verdammt wenige, dass wir unbemerkt durch das Raster der Marktforschung in die unergründlichen Tiefen der Massenverblödung fallen?
Scheinbar.

Denn glaubt ihr, ich habe irgendetwas von Kafka gefunden?
Habe ich nicht.
Oder denkt ihr, irgendwo hätte Goethes Faust rumgelegen?
Lag er nicht.

Damit nähern wir uns hier ganz langsam und vorsichtig einer Thematik an, die in allerlei intellektuellen Kreisen oder solchen, die sich dafür halten, hinlänglich bekannt ist;
Darf es denn überhaupt sein, dass die wahre literarische Kunst, Werke, die nicht nur handwerklich grandios gemacht sind und die Bezeichnung Kunst allein dadurch verdienen (und nein, eine Charlotte Roche verdient diese Bezeichnung nicht, wenn sie mit modern-geschliffenen vermeintlich Geistigkeit andeutenden Phrasen über alles schwafelt, was die Männerwelt nie wissen wollte - das haben vor ihr schon ganz andere gemacht, nur hatten die wirklich geistige Tiefe und eine Intention abseits von Ekel, Tabubruch und Schockwirkung, deren Fehlen nicht durch einen erzwungen pseudokünstlerischen Schreibstil vertuscht werden musste. Und deswegen keinen Erfolg. Von den ganzen Trittbrettfahren, die ihr Werk auf den Plan gerufen hat, ganz zu schweigen.), sondern die auch eine Botschaft transportieren, zum Nachdenken anregen, (Selbst-)Erkenntnise provozieren und - in unserer Zeit vielleicht wichtiger denn je - kritisieren, von mal mehr, mal weniger platter Unterhaltungsliteratur verdrängt werden, deren Erfolg vornehmlich darauf beruht, den kleinsten gemeinsamen Nenner der Interessen und Bedürfnisse möglichst vieler verschiedener Zielgruppen anzusprechen?
Ja.
Das darf sein.
So grausam es für Leute wie uns auch klingt.
Das darf so sein, ganz einfach, weil es so ist und von der absoluten Mehrheit auch gewüscht wird.
Natürlich kann auch Unterhaltung die oben genannten Aspekte teilweise erfüllen. Und wenn sie dabei noch gut ist, dann ist das doppelt wünschenswert, weil sie ein großes Publikum erreicht.
Aber diese Möglichkeit, diese Verantwortung, wird heute von viel zu vielen vergessen.

Und was wollen wir dagegen tun?
Es ist das gute Recht der Masse, sich auszuschen, was sie will und was sie nicht will.
Das ist ihre Freiheit.
Und wenn sie diese Bücher nun einmal für langweilig, antiquiert und verstaubt halten, dann ist das zunächst so. Zwingen, Interesse für andere Werke abseits dieser Sparte aufzubringen können wir sie nicht.
Das könnte allerhöchstens unser Bildungssystem, und tut es auch in manchen Fällen. Allerdings ist das fast immer ein Schuss ins eigene Knie, dann der Zwang, ein Buch zu lesen, für das man sich nicht interessiert, wird absolut sicher nicht dazu beitragen, ein positives Vorurteil diesem Buch gegenüber aufzubauen. Ganz im Gegenteil.
Aber vielleicht könnte man ja Interesse wecken und fördern, ohne Zwang aufzubauen? Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Goethe, ein Kafka oder ein Nietzsche einfach nicht über die gewaltige Medienpräsenz und den aufgeblasenen Propaganda-apparat einer Stephenie Meyer-verfilmung verfügt? Dass er deswegen in der kollektiven Wahrnehmung der Masse einfach untergeht? Weil kaum jemand da ist, der sich noch bemüht, sein Image aufzupolieren? "Nietzsche, der christenfeindliche, Deutsche hassende Außenseiter und Revoluzzer!" - und Millionen Immigranten würden zuschlagen und anfangen, Neonazis verbal mit Zitaten aus seinen Werken zu bashen?
Wobei mich der Gedanke an kreischende weibliche Teenies vor Bücherregalen mit einem großen Nietzsche-portrait darüber auch nicht gerade glücklich macht.

Aber nein. Ich fürchte, es wird dabei bleiben. In zweihundert Jahren wird man dann im Deutschunterricht - falls wir mal ganz optimistisch sind und uns vorstellen, so etwas gibt es zu diesem Zeitpunkt noch - die literarischen Epochen durchgehen, und ab 2000 spricht man dann allgemein vom "modernen Mittelalter der Literatur".

Ich jedenfalls werde mir meine Bücher vermutlch auch weiterhin via Internet bestellen.
Oder allenfalls in dem Buchladen kaufen, in dem ich momentan selbst arbeite.
Da sind die Bereiche "klassische Literatur" und "Philosophie" zwar auch nicht gerade üppig, aber es steht wenigstens drin, was auch drauf steht.

Und hey - immerhin gab es in der Sektion "Bestseller" ja auch solche Bücher wie Michael Jürgs "Seichtgebiete - Warum wir hemmungslos verblöden." und "Die verblödete Republik - Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen" von Thomas Wieczorek. Beides Empfehlungen von mir.

Die Hoffnung stirbt also zuletzt.

Aber täuscht euch nicht, wir sehen seit Jahren zu, wie sie langsam und qualvoll krepiert.

Freitag, 12. Februar 2010

"Germany's next Topmodel" oder das Schlimmste, was Frauen seit der Erfindung des Korsetts passiert ist.

Als ich mich - aus dem einzigen Grund, aus dem ich mich dem öffentlichen Fernsehprogramm noch aussetze, nämlich, um mir die Simpsons anzusehen - vor wenigen Tagen durch meine eigene Faulheit (siehe unten) wieder einmal gezwungen sah, verblödete Werbeinhalte über mich ergehen zu lassen, musste ich etwas erfahren, dass für mich persönlich schlimmer als die Androhung körperlicher Gewalt ist;

"Am vierten März wird Deutschland wieder schöner! Germany's next Topmodel by Heidi Klum!"

Ich erlaube mir an dieser Stelle einmal großzügig, von meinem reservierten Tonfall abzuweichen.

BLÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖRGHKOTZSPUCK!

Nun gehört das Bashen von Casting-sendungen in allerlei (pseudo-)intelligenten Kreisen ja mittlerweile zum guten Ton. Da wird von niveaulos und entwürdigend gesprochen, von öffentlicher Schadenfreude und Voyeurismus.
Was natürlich von DSDS über Popstars bis zu GNTM auch in verschiedenem Maße zutrifft.
Zumal ich absolut nicht nachvollziehen kann, wie eine Jury aus selbsternannten Experten - allesamt durchaus mittelmäßige, talentlose, egomanische, aufmerksamkeitssüchtige Hirnlose, deren einzige wirklich herausragende Eigenschaft darin besteht, ihre Blödheit medienwirksam vermarkten zu können - sich das Recht herausnehmen kann, in aller Öffentlichkeit andere Menschen zu entwürdigen und zu beleidigen.
Was hat ein Dieter Bohlen, ein, seien wir ehrlich, nicht übermäßig begabter Musiker, der sich dennoch gern als Poptitan bezeichnet und uns nur zu gern in aller Öffentlichkeit von den Abenteuern seines primären Geschlechtsorgans (und dessen neuesten Beutetieren) und seiner Beziehungsunfähigkeit berichtet, für ein Recht, zugegebenermaßen naive Bewerber mit menschenverachtenden Sprüchen zu überhäufen?
Logisch betrachtet keines.
Und dennoch applaudiert ihm das Publikum bei jeder Staffel und jeder miesen Bemerkung aufs Neue, liegt ihm zu Füßen, wenn er ein Opfer nach dem anderen öffentlich abfertigt und blamiert, und zelebriert lachend und klatschend in ihrer unbegrenzten Schadenfreude und ihrem erschreckenden Voyeurismus den Untergang der Menschenwürde in den deutschen Medien.
Denn - hey, wenn man auch selbst sein Leben als totalen Fehlschlag bezeichnen muss, bekommt man hier in aller Öffentlichkeit den Beweis, dass es trotzdem noch schlimmere Versager, noch peinlichere Freaks und noch größere Idioten gibt.
Puh, Glück gehabt.
Zumal periodisch immer mal wieder Gerüchte laut werden, dass die tatsächlichen Begebenheiten bei den Castings durch geschickte Schnitttechnik etwas anders dargestellt werden, als sie wirklich waren. Oder dass manche der besonders peinlichen "Bewerber" erst durch humanitäre Spenden des Senders davon überzeugt wurden, der Welt ihre fehlenden Talente und ambitionierten Ziele zur Schau zu stellen.

So interessant diese Fragen und Gerüchte generell auch sind, so geht es mir hier, vor allem bezüglich der neuen Staffel GNTM, doch um etwas Anderes.
Denn auch wenn diese menschenverachtende Scheiße genannt Casting, das Pendant zur mittelalterlichen Freakshow, mehr als ausreichen würde, um mich auf die Palme zu bringen, so ist es vor allem in Bezug auf Heidi Klums periodisch wiederkehrende Wahl des am wenigsten hässlichen Gerippes Deutschlands etwas Anderes, das mich zum Kopfschütteln bringt.
Und zwar die Ideale, die durch diese Sendung einem gewaltigen Publikum im Allgemeinen und einer riesigen weiblichen Zielgruppe im Speziellen eingetrichtert werden.
Denn die wenigen Male, die ich wirklich minutenweise diese Castings mit angesehen habe (meist zwangsweise, wenn eine meiner Schwestern sich das zu Gemüte geführt hat), wurde mir vor allem eines klar:
Hier wird nicht nach Schönheit gesucht, und schon gar nicht nach Ausstrahlung. Weiblichkeit ist nicht erwünscht, realistische Anforderungen sind absolut nicht vorhanden.
Nein, hier ist man auf der Suche nach Gesichtern, die möglichst hohen Profit versprechen, nach Individuen, die sich möglichst effektiv in ein vielfältiges gewinnversprechendes Produkt verwandeln lassen.
Der Mensch als Ware in einer Industrie, die Ästhetik propagiert.
Anders kann ich mir nicht erklären, dass die meiner Meinung nach schönsten Frauen den ersten Castings zum Opfer fielen.
Hier wird ein Ideal verherrlicht, dass seit Jahren immer bedenklichere Formen erreicht: Schön heißt mager, schön heißt, die Rippen sehen zu können, schön heißt, den Körper eines unterernährten zehnjährigen Jungen zu haben. Ein Kilo drauf auf den Idealwert und du bist nicht mehr schön, du bist nichts mehr wert, du bist keine Modelware mehr.
Diese Einstellung ist in den letzten Jahren nicht nur in dieser Branche ein Problem geworden, sie greift genau durch solche Serien auch in der weiblichen Bevölkerung um sich, und führt oft genug zu wirklichen Problemen, wenn Frauen absolut realitätsfernen Zielen nacheifern, die meiner Meinung nach absolut nichts mehr mit Schönheit zu tun haben.
Denn, ganz ehrlich, wenn ich eine Frau mit dem Körper eines zehnjährigen Jungen wollen würde, dann würde ich schlicht und einfach einen zehnjährigen Jungen ficken.

Naja...natürlich würde ich das nicht.
Wahrscheinlich.
Ich weiß es nicht wirklich, denn ich will ja gar keine Frau, die den Körper eines zehnjährigen Jungen hat.
Die Frage, die ich mir stelle, ist eigentlich, warum diese Gesellschaft so scharf darauf ist, ihren weiblichen Bevölkerungsteil kaputtzumachen.

Abgesehen davon bereitet mir der Gedanke an diese Serie aber vor allem wegen einer anderen Einstellung Kopfschmerzen, die von den Juroren ganz gezielt gefördert wird, und das ist das absolute Konkurrenzdenken.
Denn der Weg zur Spitze ist hart, und natürlich muss man ohne die geringste Spur von Mitleid jeden aus dem Weg räumen, der einem dabei auch nur ansatzweise gefährlich werden könnte. Fairplay oder Respekt vor dem Gegenüber sind nur Hürden, die man sich dabei selbst in den Weg stellt, die Mitbewerberinnen sollen keine Freundinnen sein, sie sind keine Menschen, sie sind Konkurrentinnen, sie sind Probleme, die man überwinden muss.
Denn das ist freier Wettbewerb.
Ich erinnere mich, das Thomas Wieczorek in seinem Buch "Die verblödete Republik" hier einen expliziten Sachverhalt anspricht, der sich in der Serie ereignet hat - man verzeihe mir an dieser Stelle, dass ich ihn nur grob wiedergeben kann;

Es verhielt sich wohl im Prinzip so, dass eine Kandidatin während der Sendung zugunsten einer anderen auf einen Fototermin verzichtete, weil sie der Meinung war, dass jene andere Bewerberin diese Chance mehr verdient hatte.
Normale Menschen würden dies nun - zumindest hoffe ich das - als Fairplay, als eine großzügige Geste anerkennen, die Respekt verdient hat.
Doch Frau Klum schiebt jenen Gedanken einen Riegel vor, indem sie besagter Kandidatin dieses Verhalten als Schwäche vorwirft, sie zusammenscheißt und ihr mitteilt, dass man so natürlich kein Topmodel wird.
Wieczorek benutzt dafür meiner Meinung nach sehr treffend den Term "Homo oeconomicus" für eine Gattung Mensch, zu der wir, wenn es nach der Wirtschaft und nach diesen Sendungen geht, am besten alle gemacht werden sollen.
Eine Gattung Mensch, die keinen Platz mehr hat für Mitgefühl oder Mitleid, keine Zeit für soziale Gedanken irgendeiner Art, eine Gattung Mensch, die alles tut, was von ihr verlangt wird, um weiter nach oben zu kommen, die sich verbiegt und verstellt, nur um die Anforderungen zu erfüllen, die an sie gestellt werden, und die nur an ihren eigenen Erfolg denkt.
Und das wird dann als Persönlichkeit bezeichnet.
Ich bezeichne das als pervers.

Immer wieder wird beklagt, dass dieses Land, diese Gesellschaft in erschreckendem Maße sozial kälter wird, und gleichzeitig verbuchen Sendungen, die jeden sozialen Gedanken prinzipiell verneinen und bestrafen, die es regelrecht belohnen, wenn die Kandidaten unsozial denken und handeln, Rekordeinschaltquoten.
Dem Publikum wird eingetrichtert, dass Erfolg nur durch rücksichtsloses Konkurrenzdenken erreicht werden kann, und als Beweis generieren Casting-sendungen ganze Heerscharen von C-Promis, für die sich kein noch so blödes Schwein interessiert, die aber als ganz große Stars propagiert werden und sich auch für solche halten.

Denn wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht, richtig?
Und scheiß auf die, die zu schwach sind oder Rücksicht auf andere nehmen, scheiß auf die Idioten, die auf der Strecke bleiben, scheiß auf die dämlichen Arschlöcher, die als Nebenprodukt einer erfolgs- und karrieregeilen Gesellschaft enden - die haben's nämlich gar nicht anders verdient.

Das zwingt mich nun im Endeffekt doch, eine Gegenthese zu formulieren.
Denn ich persönlich sage, scheißt auf Erfolg, auf Karriere und Geld, scheißt auf Statussymbole und den Luxuswahn, scheißt auf Castingshows und die verfickte Promi-obsession, scheißt auf Ideale, die euch alles nehmen, was euch erst zu Menschen und Individuen macht.

Und wisst ihr was?
Das ist ganz einfach.
Ihr müsst nämlich nur nicht zuhören.

Ihr müsst nur einen kleinen Knopf drücken und den Fernseher ausschalten.